Während die Marketingwelt über die neuesten Veröffentlichungen von Twitter, Facebook, Google, Apple und neue Bezahlmodelle und Vertriebskanäle spricht, erobert ein vor zwei Jahren noch unbekanntes amerikanisches Startup die Schlagzeilen: Groupon. Das soziale Einkaufsnetzwerk nützt die Macht der Vielen und bringt seinen Mitgliedern spannende Angebote aus der Nachbarschaft. Die Funktionsweise ist denkbar einfach: Groupon bietet zeitlich befristete Rabatte für Dienstleistungen und Services, wenn sich ausreichend User für eine Aktion entscheiden. Groupon bietet „Deals“ vom Nagelstudio bis zum Masseur, vom ermäßigten Friseurbesuch bis zum Einkauf bei der besten Fischhandlung am Naschmarkt. Vor kurzem konnte man etwa einen Gutschein für edlen Fisch im Wert von 44 EUR bei Groupon um lediglich 19 EUR erstehen. Der Rabattdienst folgt der Logik sozialer Netzwerke: Deals kommen nur zustande, wenn eine bestimmte Anzahl an Usern das Angebot annehmen. Sehr oft sind Deals aber so attraktiv, dass Nutzer ihre Freunde neu zu Groupon einladen und somit selbst für die beständige Erweiterung des Netzwerkes sorgen. Groupon erschließt das Web 2.0 damit auch für ortsansässige Dienstleister und Kleinunternehmen, dener der Zugang aufgrund fehlender Ressourcen oder Mittel ansonsten versperrt bliebe. Groupon bringt seinen Usern echten Nutzen und ist auch deswegen speziell zu beachten, weil es als eines der wenigen Social Media Webangebote wirklich Geld verdient (für 2011 wird ein Jahresgewinn von 2 Mrd. USD erwartet, vgl. Twitter: 100 Mio USD). Allein in Wien beschäftigt der Dienst etwa nur für den Bereich Gastronomie fünf Vertriebsmitarbeiter, während Facebook in Österreich noch nicht einmal repräsentiert ist. Für Unternehmen ist die Teilnahme an Groupon-Aktionen aufgrund der hohen zu gewährenden Rabatte kein Selbstläufer, aber ein sinnvoller zusätzlicher Distributionsweg. Ein von uns besuchter Dienstleistungsbetrieb wollte nur mal mit Groupon experimentieren, um die traditionelle Jännerlücke zu schließen. Nun kommt das Kosmetikstudio mit den Terminbuchungen bis in den späten April hinein kaum mehr nach: Etwa 90 Prozent der über Groupon angeworbenen Kunden sind Neukunden, so die erfreute Geschäftsführerin. Ob Groupon lanfristig überleben wird ist fraglich, denn auch Facebook und Google experimentieren seit dem großen Erfolg des bisher unbekannten Players mit hyperlokalen Diensten, Gutscheinen und digitalen Rabattincentives. Wie auch immer diese Schlacht ausgeht: Konsumenten können sich auf individualisierte Angebote freuen, die sie in naher Zukunft mit dem Handy bei der Kassa ihres Bäckers, Friseurs oder Hemdenschneiders einlösen werden. Und: die Welt der digitalen Vertriebskommunikation ist nun auch für lokale Dienstleister offen.
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