Mit 304 Millionen IKT-Usern gehört Brasilien auch technologisch zu einem der spannendsten Märkte der Welt. Eine berufliche Reise führte mich daher in das B der aufsteigenden BRICS Staaten, genauer in dessen pulsierende Metropole Sao Paulo.
Sao Paulo, das größte urbane Gebiet der Welt, das allein 40% des brasilianischen Energiebedarfs verbraucht, steht mit je nach Leseart 10-20 Mio. Einwohnern schon lange im kommunalen Dysfunct: ein schon vor langer Zeit kollabiertes städtisches Verkehrssystem, steigende Umweltbelastungen in- und außerhalb der Stadt, Luftverschmutzung, Kriminalität und ungebrochener Zuzug stellen die Stadtverwaltung vor beinahe unlösbare Probleme.
Große politische Programme sind ebenso wie in Europa nicht, bzw. nicht effizient oder schnell genug lösbar. Kein Wunder, daß sich die Stadt daher immer stärker den Möglichkeiten digitaler Kommunikation zuwendet. Während in Wien noch mit Fahrplan-Apps oder digitalen Parkscheinen experimentiert wird, interessiert sich San Paulos kommunale Szene für das wahre Potential voll vernetzter Digitalität.
Schon länger werden spannende digitale Lösungen im Kommunalbereich ausprobiert oder erfolgreich eingesetzt: Estland etwa setzt mit spezifischen Apps darauf, dass seine Einwohner per Knopfdruck und Ortungsangabe illegale Müllflächen oder –stücke finden und melden oder sogar selbst entsorgen. Städte in Deutschland und Mexiko setzen die Smartphones ihrer Bürger ein, um Straßenschäden an die örtliche Strassenbauabteilung zu übermitteln, in Dänemark schließen Apps die organisatorische Lücke beim Zusammenstellen von kommunalen Fahrgemeinschaften.
Die Vernetzung der Bürger scheint Probleme jedenfalls schneller zu lösen als jene Politiker, die mit solchen Lösungen eigentlich beauftragt wären. Macht ja nichts: echte (digitale) Demokratie ist ohnehin spannender und besser legitimiert. Was all das mit digitalem Marketing zu tun hat, folgt im nächsten Blog direkt aus Sao Paulo.