Vor kurzem besuchte ich ein kleines Städtchen im US-Bundesstaat Vermont, vergleichbar mit sagen wir Horn im schönen Niederösterreich. Nun ja, nicht ganz, denn im Gegensatz zu jeder österreichischen Gemeinde lag die Stadt mindestens zweieinhalb Autostunden vom nächstgelegenen Ballungsraum entfernt. Tiefe amerikanische Provinz. In diesem Ort eröffneten zwei Schulfreunde mit einem Startkapital von 12.000.- Dollar ein kleines Eisgeschäft nahe einer Tankstelle. Um ihren Kunden etwas Besonderes anzubieten, mischten sie extrem große Schokolade-, Frucht- und Keksstücke in ihre Creme. Einmal im Jahr gab´s Gratiseis für alle (free cone day), dann wurde als PR-Aktion ein Weltrekordversuch unternommen und der ganze Ort lief zusammen. Die regionale Presse war begeistert, eine erste Franchiselizenz vergeben.
An der Börse holten sich die beiden Unternehmer Geld für die weitere Expansion und parierten in den achtziger Jahren eine Klage der Marke Hagen-Dasz. Irgendwann borgten sich die beiden einen Kühllaster aus und fuhren auf Roadshow durch ganz Amerika. Mit viel Energie und Freude bauten Ben Cohen und Jerry Greenfield aus dem Eisgeschäft hinter der Tankstelle einen umweltbewussten und sozial engagierten Konzern, den sie im Jahr 2000 um 326 Millionen US-Dollar an Unilever verkauften. Nach dem Besuch der Firmenzentrale (die so beliebt ist, dass die Polizei am Parkplatz den Verkehr regeln muss), bohrte sich die Frage in mein Hirn, warum eine solche Geschichte in Österreich wohl sehr unwahrscheinlich wäre. Alle Antwortversuche hinterließen eine seltsame, aber wohlbekannte Leere in mir, die ich gottseidank mit leckerem Schokoeis füllen konnte.
Freue mich über ehrlich gemeinte unzynische Antwortversuche unten als Posting oder per Mail. Der Einsender oder Poster mit der spannendsten Erklärung erhält einen Ben&Jerry´s Eisbecher nach Wahl.
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